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Zugspitz Ultratrail 2016 – 101 km und 5400 HM

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Voller Vorfreude auf den bevorstehen Zugspitz Ultratrail beginne ich am Freitagabend meinen Rucksack zu packen und die restlichen Vorbereitungen zu treffen. Es wird das übliche Pflichtmaterial, wie lange, regenfeste Kleidung, Erste Hilfe Kit, Stirnlampe, Mütze, Handschuhe und Getränke verlangt.

Die Vorfreude steigt, für mich wird es der erste alpine Wettkampf dieses Jahr und ich freue mich riesig. Die Wetterprognosen sagen durchwachsenes Wetter, mit Regen an. Aber das sind wir ja mittlerweile gewohnt, das war ja die letzen Wochen auch schon so.
Davon lasse ich mir die Freude nicht vermiesen, es gibt ja schließlich für jedes Wetter die richtige Kleidung.

Am Samstag früh klingelt der Wecker. Mein Schatz Christine wollte beim Start und Zieleinlauf dabei sein, und hat sich bereit erklärt mich hin zu fahren und abzuholen. Darüber freue ich mich riesig. Ein Wettkampf bei dem ich die Nacht zuvor in meinem eigenen Bett schlafen kann.

Um 5 Uhr machen wir uns von München auf den Weg nach Grainau, wo wir um kurz nach 6 Uhr ankommen.
Im Kurhaus holen wir meine Startnummer „462“ ab und gehen nochmal zum Auto um den Drop Bag zu packen und an den, vor dem Kurhaus stehenden Bussen, abzugeben.

Dann geht´s ab zum Start.

Um 7:15 fällt der Startschuss – endlich geht´s los…. Fast 700 Läuferinnen und Läufer machen sich auf den Weg, die Zugspitze auf eine Strecke von 101 km und über 5000 hm zu umrunden.

Der erste Streckenteil bis zum VP 1 „Eibsee“ bei km 10 ist recht unspektakulär aber sehr gut um in Schwung zu kommen. Es geht auf meist geschotterten Wegen leicht auf und ab.
Hier nehme ich eine kleine Stärkung zu mir, um dann gleich den ersten richtigen Anstieg mit ca. 550 hm in Angriff zu nehmen.

Zunächst, geht es Richtung Riffelriß (eine Haltestelle der Bayrischen Zugspitzbahn), allerdings werden wir das Riffelriß links von uns lassen und weiter aufsteigen. Bei km 15 erreichen wir mit 1590 m den bis zum jetzigen Augenblick höchsten Punkt der Strecke und werden nun auf den nächsten Kilometern Richtung Ehrwald absteigen.
Bei km 19,5 erreichen wir die Gamsalm, bei der sich der VP 2 befindet. Hier war mächtig was los. Um Getränke nachzutanken musste man sich anstellen, was mich dazu verleitet, relativ schnell wieder auf die Streck zu gehen und weiter zu laufen.

Der nächste VP ist bereits bei km 27 und das Höhenprofil sieht bis dahin noch recht entspannt aus. Auch wenn wieder ca. 650 hm zu bewältigen sind. Aber die schöne Landschaft und der wiederkehrende Blick auf die Zugspitze und die angrenzenden Gipfel, machen den Weg über den Koppensteig und Wiesensteig zu einem wunderschönen Erlebnis.20160618_165015

Den VP bei km 27 nutze ich noch einmal ausgiebig um mich zu stärken und alle Behältnisse mit Getränke zu füllen, denn der nun folgende Streckenteil wird es in sich haben.

Vor mir und den anderen Ultratrailern liegen nun 13 km mit über 800 hm Anstieg.
Mittlerweile ist es Mittag und wie angekündigt soll gegen Mittag das Wetter umschlagen. Man kann festhalten, auf diese Vorhersage ist Verlass. Während des Anstiegs werden die Wolken immer dichter.
Einer meiner Mitläufer weist mich drauf hin, dass „es gleich los geht“, während er an der Seite steht und seine Regenjacke anzieht. Ich entschließe mich trotzdem noch etwas weiter aufzusteigen, doch 15 Minuten später fängt es schließlich doch an zu regnen bzw. zu graupeln.
Die Wolken sind so dicht, dass man nur noch wenige Meter weit sehen kann.

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Das Highlight, noch bevor wir den höchsten Punkt des Laufs erreichen, ist ein kleiner Abstieg über ein Altschneefeld. Zur Sicherheit wurde ein Seil in der Mitte des Schneefelds befestigt um sich daran festzuhalten. Im Skifahrerstyle rutschen wir das Schneefeld runter. Ich bemühe mich, das Gleichgewicht zu halten und nicht hin zu fallen. ….
Puh, geschafft… jedoch sehe ich wie es einen Läufer nach dem anderen „hinlegt“… Ich habe glaube ich einfach nur Glück gehabt.

Weiter geht’s bergauf bis zum höchsten Punkt des Rennens bei km 32 auf 2206 m.
Von nun an folgt ein steiniges und matschiges auf und ab mit teilweise herrlicher Aussicht und Panorama.

Ich bin dennoch froh, als ich nach über 3 Stunden den VP 4 an der Hämmermoosalm erreiche und mich erst mal wieder kräftig stärken kann. Eigentlich wollte ich hier nur einen kurzen Stopp machen und am VP5 etwas länger verweilen, aber ich bin vernünftig und fülle hier nochmal gut auf, was auch gut war, denn der nächste knackige Anstieg wartet bereits.

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Der Regen hat wieder aufgehört und ich starte wieder auf die Strecke. Wahnsinn auf einmal laufe ich im strahlenden Sonnenschein den Berg hinauf. Es ist plötzlich ganz schön warm. Vor allem weil es nun weitere 600 hm zum Scharnitz Joch zu überwinden gilt. Der Anstieg zieht sich ganz schön hin, vor allem weil ich aus der Ferne schon anhand der schnelleren Läufer erkennen kann, wo ich noch rauf muss.
Ich erreiche das Joch, bleibe kurz stehen, genieße die Aussicht, atme tief durch, trinke was und unterhalte mich kurz mit ein paar Mitläufern und fühle mich richtig glücklich hier sein zu dürfen. Dann nehme ich den 4 km langen matschigen Abstieg Richtung VP 5 in Angriff.

Als ich den VP 5 (km 54) erreiche, schau ich auf die Uhr und kann es kaum glauben, dass ich schon weit über 10 Stunden unterwegs bin. Die Zeit verging wie im Flug. Ich schnappe mir zuerst meinen Drop Bag und ziehe mir ein frisches Shirt und frische Socken an. Das dauert alles etwas länger aber fühlt sich sehr gut an. Kurz bevor ich den VP verlasse, fängt es zu regnen an. Dieser Zustand wird sich dann auch nicht mehr ändern bis ich im Ziel ankomme.

Mit der Regenjacke „bewaffnet“ starte ich um kurz nach 18 Uhr wieder auf die Strecke. Nun gilt es Kilometer runter zu klopfen. Die folgenden 10 km zum nächten VP sind nahezu flach 90 % Schotterweg und ca. 10 % Straße.
In Mittenwald VP 6 verweile ich nur sehr kurz, VP 7 ist nur 5 km entfernt und das Profil verrät, dass die Strecke wohl auch gut lauf bar sein wird.

Den nächsten VP 7, an einem kleinen See gelegen, nutze ich nun um mich auf die nun einsetzende Dunkelheit vorzubereiten. Ich trinke nochmal warmen Tee, esse Suppe und starte, noch ohne Stirnlampe weiter auf die nun anstehenden 13 km Richtung VP 8.

Die ersten 3-4 km nach der Verpflegung sind noch gut lauf bar. Dann geht’s in den Wald und die Strecke beginnt wieder ständig an und abzusteigen. Kurz bevor ich in ein Waldstück laufe, nehme ich meine Stirnlampe in Betrieb. Obwohl heute der längste Tag des Jahres ist, wird es doch aufgrund des Dauerregens und der Wolkendecke recht schnell finster.
Ich merke, wie mein Körper immer mehr auskühlt. Ich versuche zu laufen, so schnell es noch geht, um mich warm zu halten.
¾ der Strecke liegt jetzt schon hinter meinen Mitläufern und mir. Nochmal steigen wir 250 hm auf und über 300 hm wieder ab, bis es dann schon langsam auf die letzten über 1000 hm des Laufs geht.
Ich erreiche den VP 8, die Partnachalm und nutze die Pause um mir nun endlich ein Langarmshirt und eine lange Laufhose anzuziehen, denn nun werde ich nochmal ordentlich Höhemeter machen müssen.
Mir geht es zwar noch gut, aber langsam setzt die Müdigkeit und auch ein bisschen Lustlosigkeit, der Erschöpfung geschuldet, ein.
Aber aufgeben möchte ich nicht, bislang habe ich alle Läufe ins Ziel bekommen und es sind ja auch nur noch 19 km bis ins Ziel.
Nach einer Suppe und einer Cola breche ich um kurz vor Mitternacht zusammen mit „Immo“, den ich am VP kennengelernt habe, in Richtung Kreuzeck auf.

Wir haben mittlerweile beide von Lauftempo auf zügiges Wandertempo gewechselt. Der nächste Anstieg lässt nicht lange auf sich warten. Durch die Walachei geht es auf einem Trail ca. 600 hm auf 5-6 km dem Kreuzeck entgegen. Der Anstieg zieht sich hin, wir kommen gefühlt gar nicht voran was für mich gerade eine innerliche Zerreisprobe bedeutet.
Über 90 Minuten benötigen wir für diese Streckenteil. Bei mir macht sich immer mehr und mehr die Mündigkeit bemerkbar.
Am VP 9 bekämpfe ich die Müdigkeit mit Cola und die Kälte mit warmem zuckerhaltigem Tee.

Weiter geht’s, Immo und ich gehen auf die 6 km lange Runde, zur Bergstation der Alpspitzbahn und über einen Steig zurück zum VP.
Der Aufstieg über den Schotterweg klappt super, ich fühle mich auch wieder besser. Sehen kann man leider nicht viel, es ist dunkel und bewölkt.
Der Abstieg fällt mir irrsinnig schwer. Mir tun die Füße weh, und ich merke dass Immo deutlich schneller absteigen könnte als ich, aber immer wieder auf mich wartet. Das finde ich super, aber ich will ihn ja auch nicht aufhalten.
Ich mach einfach weiter so schnell ich kann.
Am Finish des Laufs zweifle ich nicht. Vom Zeitlimit bin ich noch weit entfernt.

Den VP 10 verlassen Immo und ich um 4:16 Uhr. Über einen steinigen Steig geht es endlich Richtung Grainau. Nach der Hälfte des Abstiegs wechselt der Steig von steinig auf matschig und die Rutschpartie geht in die nächste Runde.
Auch diesen Teil meistere ich, so schnell meine Füße es noch mitmachen.

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Endlich, wir erreichen Grainau, noch 2 km ins Ziel. Ab sofort gilt wieder „Lauftempo“. Wir wollen ja schließlich nicht ins Ziel „wandern“.
Kurzer Fotostopp am “ 1 km To Go“- Schild und dann gibt es kein Halten mehr.

Als ich ins Ziel einlaufe sehe ich, wie mein Schatz schon sehnsüchtig auf mich wartet.
Ich freue mich total und bin überglücklich, dass ich im Ziel erwartet werde und diesen Lauf nach 22:38:53 Stunden ins Ziel gebracht habe.

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Die Zeit spielt für mich nicht die entscheidende Rolle, für mich zählt es, gesund und ohne Verletzungen ins Ziel zu kommen und mir den Spaß für mein Hobby beizubehalten.

Danke an Plan B für die perfekte Organisation und ein mega Dankeschön an alle Helfer(innen) auf der Strecke, ihr wart super!

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Autor:

Ich bin Andy, seit einigen Jahren ist Trailrunning meiner Leidenschaft. Dabei stehen nicht die Wettkämpfe und Platzierungen im Vordergrund. Mein Traum ist es, Orte auf der ganzen Welt zu erlaufen, je abgelegener desto besser. Das Erlebnis, einen Ort zu Fuß zu erreichen und dabei auch mal die eigenen Grenzen zu verschieben, ist so einmalig, dass ich es niemals wieder missen möchte. Gerne berichte ich euch von diesen Abenteuern und nehme euch mit in die Welt der Trails. "Design your life or your life designs you!"