Suche
  • We love (Trail-)running
  • © 2014
Suche Menü

1. Eiger Ultra Trail – Premiere geglückt?

Gleich in zweifacher Hinsicht war der Eiger Ultratrail eine Premiere.
Zum Einen, fand der Trail Lauf über 101 km und 6400 Höhenmeter zum ersten mal statt und zum anderen war es für mich das Debüt auf einer so langen Trail Strecke.
Entsprechend gespannt war ich, ob mein Training ausreichend war, ob ich mit dem Terrain klar komme und wie das Event abläuft…
Bereits am Freitagmittag bin ich in Grindelwald im Berner Oberland angekommen. Schon auf der Hinfahrt war ich hin und weg von der tollen Kulisse, den Blick auf den Eiger und die berüchtigte Eiger Nordwand.

Die Startnummernausgabe findet im Kongresszentrum in Grindelwald statt. Zuerst wurde das obligatorische Material kontrolliert. Zu Glück gab es bei mir keine Beanstandung und somit konnte ich schnell und unkompliziert meiner Startnummer 110 in Empfang nehmen. Die Pasta Party, die auf der Rückseite des Kongresszentrums statt finden soll, war noch nicht in Gange. Hunger hatte ich dennoch, so entschied ich mich für eines der zahlreichen Restaurants, die es in Grindelwald gab. Hier traf ich einen Trailrunner aus Österreich, mit dem ich ins Gespräch gekommen bin und somit sind auch 2 Stunden super schnell vergangen.

Ich bezog dann mein Quartier, im Mountain Hostel, ca 15 Gehminuten vom Grindelwalder Zentrum entfernt. Dort lernte ich dann meine Zimmergenossen Jürgen, Joonas und Francois alle samt auch auf der E101 Strecke unterwegs, kennen.

Abends gings dann nochmals zum Kongresszentrzm, ein Bierchen trinken, Pasta essen und dem obligatorischen Briefing lauschen… So ist dann der Abend auch schnell ausgeklungen.

Um kurz nach drei schrillte dann mein Wecker… ich war sofort hellwach… die Vorfreude war riesig. Schnell Frühstücken, anziehen, alle obligatorischen Vorbereitungen treffen, Rucksack schnappen und los gings zum Kongresszentrum, wo um 5 Uhr der Start erfolgen soll.

Am Start war es verhältnismäßig ruhig, keine große Moderation, keine Musik, aber dafür hatte ich schon wieder einigen total nette Leute kennengelernt, total genial…

Um 5 Uhr gins dann los.. langsam setze sich der Pulk in Bewegung. Ein kleines Stückchen verlief durch Grindelwald, dann ging es schon in die Natur. Der Weg wird nun immer steiniger und steiler. Die Läuferschlange zieht sich unendlich den Berg hoch. Das erste Teilstück ist ja auch nicht ganz ohne, 7,7 km lang fast 1000 Höhenmeter erwarten uns bis wir am Berghotel Große Scheidegg angekommen sind. Hier werde wir auch zum ersten Mal mit Wasser, Sponsor Getränken, Riegel usw. versorgt. Ich halte mich an Wasser, bis dato ist auch alles noch im grünen Bereich und das soll auch so bleiben, also keine Experimente mit Gels usw die ich nicht kenne …

Weiter verläuft unser Weg, über einen breiten Naturweg, vorbei an Almen in einer Wunderschönen Landschaft bis zum First. Hier kann ich so richtig abschalten, laufen und die Gegend genießen und alles in mich aufsaugen… einfach herrlich. Der Weg verläuft zwar stetig auf und ab, allerdings nehme ich das irgendwie gar nicht so recht wahr…bei Km 13,5 erreichen wir First und es gibt wieder einmal eine Verpflegungspause, es wird auch Zeit, meine Trinkflasche wieder zu füllen ….

Doch wir werden dem First noch mal einen Besuch abstatten… denn nun liegt eine ca 9 km lange Schleife an, die es zu bewältigen gibt. Zuerst recht massiv Bergab, was mir ziemlich zu schaffen macht, aber ich lass es laufen so gut es geht… ca 650 Höhenmeter geht es abwärts….. und natürlich auch wieder rauf, es ist ja schließlich eine Schleife die wir abzulaufen haben. Der Aufstieg machte am Anfang einen sehr moderaten Eindruck, der sich aber nicht bewahrheitete, als sich der Weg am Schluss durch eine Steilwand nach oben schlängelte.

Doch wenn man auch diese Steigung überwunden hat, steht mach total verschwitzt und außer Puste wieder am VP First, wo mal jetzt noch Leckereien wie Bergkäse und Wurst zu Verfügung hat. Ich greife auch ordentlich zu, endlich mal nicht nur Süßkram sondern was Herzhaftes.. das tut gut!

Weiter führt uns die Strecke auf einem Wanderweg in Richtung Bachalpsee… in der Filmen auf der Homepage war dieser meinst als einer der Höhepunkte der Strecke zu sehen. Wunderschönes Bergambiente, absolut traumhaft, dieser Bergsee in mitten einer tollen Kulisse..

Doch nun ändert sich die Strecke wieder, aus dem Wanderweg wird ein steiniger Pfad, der uns in Richtung Oberläger Bussalp führ. Erst rauf, dann wieder runter. Seit der 2. First runde sind nun auch die Teilnehmer des E 51 auf der Strecke, die bislang nur ein Teil unsere Strecke gelaufen sind, deutlich frischer und zügiger unterwegs sind. Das nervt mich etwas auf diesen schmalen wegen, weil ich die schnellern nicht ausbremsen möchte, aber selber durch das vorbei lassen immer meinen Rhythmus im steinigen Terrain verliere.
Bei ca km 30 erreiche ich den VP Oberläger Bussalp.

Noch geht’s es mir gut, ich nehme einen kurzen Snack, ohne drüber nachzudenken, was auf den nächsten 2,5 km auf mich zu kommt. Ich hätte mir evtl die Strecke genauer anschauen sollen.
Nun ging es rauf, auf den höchsten Punkt des Laufs, das Faulhorn mit einer Höhe von 2.680 m üNN, ca 650 Höhenmeter auf den nächsten 2,5 km… Man man das ist schon ne Hausnummer, die ich so noch nie erlebt habe. Aber zum glück habe ich während meiner Vorbereitung die Läufe am Gardasee gemacht, von dieser Erfahrung kann ich nun zumindest mental zähren.
Oben angekommen gönne ich mir eine Boullion, Banane und Wasser… eine Cola wär jetzt echt super… gibt’s aber leider hier nicht…

Ok, weiter geht’s auf 11 km zur Schynigen Platte. Auf diesen 11 km begann es dann echt hart für mich zu werden. Nachdem es auf dem Faulhorn noch recht angenehm von den Temperaturen her war, so wird es nun wärmer und wärmer… Durch alpines Gelände über Geröll, Geröll und nochmal Geröll, gespickt mit super schönen Ausblicken geht es weiter…Allerdings knickt mir immer wieder der Fuß um, was mich dazu verleitet immer und immer langsamer zu werden. Nach und nach ziehen viele Läufer(innen) an mir vorbei…zusätzlich ist mir auf halben Strecke das Wasser in der Trinkflasche aus gegangen. Mental, wie auch körperlich hat mich dieser Teil an meiner Grenzen gebracht… Wenn man meint, dass man den nächsten VP fast erreicht hat, sieht man, dass es noch eine ganze Runde auszulaufen gilt… Ewig kommt es mir vor bis ich endlich am VP Schynigen Platte eintreffe, den ich schon sooo lange ersehnt habe.
Ich frage mich, ob es überhaupt Sinn mach weiter zu machen oder aufzugeben. Naja ich gönnen mir hier eine Pause, setzte mich kurz hin, esse etwas, fülle meine Flaschen auf und beschließe innerlich noch bis zum nächsten VP in Burglauenen zu laufen und dort auszusteigen…

Laufen…naja sagen wirs mal so, meine Motivation ist am Boden ich wandere den Abstieg nach Burglauenen, der auch ganz schön heftig ist. Nachdem die über 1000 negativen Höhenmeter geschafft sind, treffe ich endlich in Burglauenen ein und bediene mich erst mal ordentlich am VP mit allem Kreuz und Quer, da ich ja sowieso aussteigen will.
Ich überleg hin und her, dann treffe ich Torsten wieder, den ich zuvor auf der Strecke schon einmal getroffen hatte.

Wir sind glaube ich beide nicht mehr ganz frisch, aber wir beschließen erst mal gemeinsam weiter zu Wandern, auf den nächsten Abschnitt Richtung Wengen. Ich wechsle noch kurz das Schuhwerk auf meine HOKAS und los geht’s, raus aus dem Ort und natürlich gleich wieder hoch …Erst auf einer Forststraße, dann wieder auf schmalen Pfaden.. aber jetzt sind wir E101´ler wieder alleine, in Burglauenen haben uns die E 51 Läufer verlassen..

Plötzlich schlägt das Wetter um, es beginnt zu gewittern.. Naja warum sollen wir auch bei der Premiere von irgendetwas verschon bleiben. Im strömenden Regen laufen wir in Wegen ein. Dort werden wir erst mal gestoppt, wegen des schlechten Wetters geht es erst mal nicht weiter..

Dann werden wir instruiert, dass wir den Aufstieg zum Männlichen nicht laufen dürfen, da es zu gefährlich ist. Wir werden nun mit der Seilbahn auf den Männlichen gebracht.
Oben angekommen ist es saukalt.. wir sind klatsch nass.. zum Glück sind es bis zum Gasthof, in dem sich der VP befindet, nur 300m…

Hier heißt es erst mal aufwärmen, umziehen, verpflegen und….. dann die nächste Änderung für uns.. die Strecke wird verkürzt, wir lassen den Abschnitt der Eiger Trails komplett aus und laufen nun direkt über kleine Scheidegg, Alpiglen und Pfingstegg ins Ziel nach Grindelwald.

Bis zu kleine Scheidegg lief dann wieder alles Super, ich fühlte mich gut und es ging voran… allerdings kurz nach dem VP begann mein linkes Knie plötzlich Zicken zu machen…Vermutlich haben mir die vielen Abstiege zu schaffen gemacht.. wie gut das uns nun ein kilometerlanger, teils steiler Abstieg erwartet… Egal, er sind noch 15 km, jetzt wird nicht mehr aufgegeben, ich versuchen Torsten weiter zu folgen, es fällt mir schwer, weil mir die ganze Zeit jemand mit einem Messer ins Knie sticht.
Die Strecke führt und fast runter bis Grindelwald. Bis dahin kann ich mit Torsten noch mithalten, aber ich merk, dass er nun deutlich schneller kann und ab jetzt bin ich erst mal wieder allein unterwegs.. Es ist natürlich dunkel mittlerweile und es liegt der Anstieg zum Pfingstegg an. Richtung Pfingsegg, geht es auf einem sehr unwegsamen Pfad, der sich mit Wurzel und Steinen gespickt stetig nach oben schlängelt… Es zieht sich…als ich ein Licht sehe, denke ich schon „Juhu geschafft“… weit gefehlt, hier sitzen 2 Helfer die unseren Startnummern notieren … Ich frage die Frau, wie weit es denn noch ist… die Antwort „ca. 25 Minuten“ wollte ich glaube ich lieber nicht hören… egal weiter geht’s… Blasen an den Füßen erschweren mir den Aufstieg und ich bin froh als ich oben bin. Dort esse ich ein bisschen Schokolade, trinke eine Cola, klebe mir 2 Blasenpflaster auf und nun sinds noch 6 km ins Ziel, logo bergab.

Gemeinsam mit Klaus, den ich schon beim Aufstieg öfter gesehen hatte, laufe ich die letzten Kilometer ins Ziel. Es ist recht kurzweilig, weil wir uns sehr gut unterhalten.. und das tut mir auch sehr gut.

Nach 20:33 Stunden komme ich im Ziel in Grindelwald an. Ca. 85 km und 5000 Hm stehen trotz der verkürzten Strecke auf der Uhr

Ich bin stolz, dass ich diesen Lauf ins Ziel gebracht habe, wenn auch langsam, aber besser als Aussteigen war es allemal.

Zum Abschluss gönne ich mir eine Bartwurst und mit Klaus und Daniel stoße ich mit einem Bier auf unser Finish an.

Ob ich das nochmal mache? Klar…100 % Suchtpotential!!!!!!

Autor:

Ich bin Andy, seit einigen Jahren ist Trailrunning meiner Leidenschaft. Dabei stehen nicht die Wettkämpfe und Platzierungen im Vordergrund. Mein Traum ist es, Orte auf der ganzen Welt zu erlaufen, je abgelegener desto besser. Das Erlebnis, einen Ort zu Fuß zu erreichen und dabei auch mal die eigenen Grenzen zu verschieben, ist so einmalig, dass ich es niemals wieder missen möchte. Gerne berichte ich euch von diesen Abenteuern und nehme euch mit in die Welt der Trails. "Design your life or your life designs you!"

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: Eiger Ultra Trail 2014 | 82erBank e.V.

Schreibe einen Kommentar